Wenn es um „Heimat“ geht, muss ich persönlich werden. Oft werde ich als Kritiker gefragt, welches für mich der beste Film aller Zeiten sei. Ohne zu zögern, antworte ich: „Das ist kein Film, das ist eine TV-Serie.“

Und nein, ich denke dabei nicht an eine dieser modernen Produktionen wie „Breaking Bad“ oder „Borgen“. Ich meine die 30 Jahre alte „Heimat“ von Edgar Reitz. Heute wird ja gerne behauptet, dass Serien innovativer sein können als Kinofilme. Stimmt. Aber bereits im Jahr 1984 forderte Reitz die Gesetzmäßigkeiten des Fernsehens mit den Mitteln des Kinos heraus. Oder umgekehrt. Seine „Heimat“ ist auf jeden Fall ein gewaltiges Epos, 927 Minuten lang (…)
Es ist eine eigene Welt, diese „Heimat“. Es gibt unzählige Publikationen, und es gibt Websites, die sich zum Beispiel mit Querverweisen zwischen einzelnen Folgen beschäftigen. Es gibt Interpretationen und Dissertationen. Es gibt einfache Fans und Freaks. Aber im Grunde genommen ist alles ganz einfach: Es geht um die Sehnsucht (…)
Um persönlich zu bleiben: Wenn mich die Sehnsucht packt, weiss ich, dass ich eine Dvd einlegen kann. Um „Heimat“ zu schauen, den besten Film der Welt.

Matthias Lerf in SONNTAGSZEITUNG ZÜRICH, 13.4.2014