Seit dem 16. September sind wir nun im Hunsrück zu Hause. Wir leben auf vertrautem Fuße mit den Simons, den Wiegands und dem Glasisch-Karl, schauen gebannt Maria zu beim Älterwerden und ertragen auch die abenteuerlichsten Ungereimtheiten der sanften Dorfchronik mit der heiteren Gelassenheit eines Heimatgetriebenen.

(…) HEIMAT, der knapp sechzehnstündige Festival-Überraschungserfolg von Edgar Reitz, hat erstaunlicherweise auch als Fernsehserie über geraume Zeit hin kaum etwas von seiner Wundermacht eingebüßt. Das mag zu einen wesentlichen Teil daran liegen, daß die einzelnen Häppchen vom Regisseur selber zubereitet wurden und nicht vom Programmdirektor; das liegt auch an den geschickten Foto-Einführungen, die sehr rasch die Tagesschau vergessen und den verständigen Blick in die Vergangenheit gewinnen lassen; das liegt an der sofort für Atmosphäre sorgenden Dialektgrundierung des ganzen Romans – und an der Kraft der Darsteller. Vor allem Marita Breuer ist gar noch nicht genug gerühmt worden. Ihre außergewöhnliche Leistung fällt nun erst über die lange Bildschirmdistanz so recht ins Auge; sie sorgt in märchenhafter Übereinstimmung mit ihrer Jahrhundertfigur für Kontinuität, sie ist das wohltuend Bleibende im Wechsel des elektronischen Unterhaltungsfirlefanzes.

Sd. in: FAZ, 19.10.1984